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Zeitreise in die Baukunst

Palais Löwenfeld-Hofmann in Kleinmünchen: Die Revitalisierung rettete ein
herausragendes Denkmal des in Linz wenig präsenten Historismus

Das Bauen kennt viele Fallstricke. Bauen kann sogar Ängste hervorrufen, womit nicht nur die Sorge vor versiegenden Finanzen gemeint ist. Zu den fast sprichwörtlichen „Schreckgespenstern“ gehört die Denkmalpflege. Kaum ein Haus- oder Bauherr, der nicht um seine planerische Autonomie fürchtet, wenn die Denkmalpflege vor der Tür steht.

Für viele gehört das Bemühen um die Bewahrung alter Bausubstanz sogar zu den Hemmschuhen einer fortschrittlichen, ökonomisch erfolgreichen Stadtentwicklung. Dies ist in Linz nicht anders als in anderen Städten und Gemeinden. Dabei ist die Wirklichkeit komplexer: In Österreich stehen aktuell nur rund 38.000 Gebäude unter Denkmalschutz, davon ist zirka ein Drittel in privaten Händen. Und Denkmalschutz bedeutet für diese Bauten sicher nicht, dass eine funktionsgerechte, zeitgemäße und ökonomisch sinnvolle Gestaltung und Nutzung unmöglich würde. Welche Bedeutung die historische Bausubstanz in Zeiten, die verstärkt nach Heimat und Identität suchen, hat, bemerken viele erst, wenn Bauten aus dem Blickfeld verschwinden.

In Kleinmünchen, an einer Stelle der Stadt, die für die meisten nicht unbedingt zu den identitätsstiftenden Vierteln von Linz gehört (Stichwort Altstadt), wurde vor Kurzem ein umfangreiches, komplexes Revitalisierungsprojekt abgeschlossen. Das Industriellenpalais Löwenfeld und Hofmann (fertiggestellt 1882 nach Plänen von Ignaz Scheck, geb. 1841 – gest. 1903) ist nicht nur ein qualitätsvolles und seltenes Beispiel für die Architektur des Historismus in Linz. Es dokumentiert zugleich ein wichtiges Kapitel der Linzer Industriegeschichte und des mit ihr verbundenen Bürgertums. Wie positiv einzelne Vertreter dieses Bürgertums auf das kulturelle und gesellschaftliche Leben der Stadt gewirkt haben, verdeutlicht die aktuelle Ausstellung im Nordico Stadtmuseum zu Egon Hofmann. Er gehörte zu den direkten Nachfahren der Bauherren des Palais.

Als die Linz Textil Holding AG 2015 beschloss, das Palais und seine erhaltenen Nebengebäude denkmalgerecht zu revitalisieren, war der bauliche Zustand durch langen Leerstand desaströs. Mit der Planung und Abwicklung des Vorhabens wurde das Linzer Architekturbüro Klinglmüller beauftragt. Ein Glücksfall, verfügt das Büro nicht nur über Erfahrung im Umgang mit historischer Bausessubstanz. Zugleich kannte man die für die heikle Aufgabe notwendigen Experten, Handwerker und Spezialfirmen. Ein weiterer Faktor begünstigte die umfangreiche Planungsarbeit: „Es war eine günstige Fügung, dass ich aufgrund einer Umstrukturierung unseres Büros über eine der wichtigsten Ressourcen für ein derartiges Projekt verfügte: Zeit“, bemerkt der verantwortliche Planer Heinz Klinglmüller bei einer Führung durch das Gebäude.

Gelungene Zusammenarbeit In enger Abstimmung mit dem Denkmalamt und mithilfe aller Beteiligten gelang es, wo möglich, die historische Substanz zu erhalten und wenn nötig zu ergänzen. Das Resultat sind im Äußeren und Inneren schlüssige Architektur- und Raumwirkungen. Böden wurden saniert, Deckenmalereien komplettiert, Putze aufgetragen, und die alte Substanz des Dachstuhls wurde weitgehend gerettet. Eine besondere Qualität erreichten diese Maßnahmen in den beiden Stiegenhäusern des Haupthauses. Durch den Rückbau von Einbauten gelang es, die ursprüngliche, großzügige Raumaufteilung des Palais zurückzugewinnen. Für immer verloren ist dagegen das Flair einer reichen, großbürgerlichen Wohnkultur des späten 19. Jahrhunderts. Dies bringt die Zeit mit sich.

Während das Haupthaus aufgrund der Raumgrößen nur für Büros genutzt werden kann, wurden in den Nebentrakten und -gebäuden Wohnungen untergebracht. Architektur und Sanierung konnten eine Qualität schaffen, die zu einer hohen Wohnzufriedenheit der Bewohner führt. Dies zu Kosten, die denen eines vergleichbaren Neubaus entsprechen. Die Freiflächen des umgebenden Grünraums steigern ebenfalls die Lebensqualität.

Die dringend notwendige Sanierung und Revitalisierung historischer Bauten ist nicht nur eine Frage von Identitätsfindung oder Denkmalpflege. Sie beschränkt sich nicht nur auf den Aspekt der Stadtbildpflege. In Zeiten von Klimaschutzdebatte und Flächenverbrauchsdiskussion ist die adäquate Nutzung bestehender Bausubstanz ein effektives Mittel zur Ressourcenschonung.

Ein Wermutstropfen? Fraglich muss bleiben, ob die Revitalisierung des Palais Löwenfeld-Hofmann eine Referenz für andere, weniger prominente Objekte der Denkmalpflege darstellt. Sie könnte den Blick auf weniger spektakuläre, alltäglichere Fragen und Probleme denkmalpflegerischer Praxis verstellen. Aber auch diese sind und bleiben wichtig und lassen uns unseren Lebensraum als historisch gewachsen erfahren und erleben.

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